Zentrale Aussagen - Überarbeitung
Schafhaltung diente der Urbarmachung sandiger Heideböden
Heidschnucken waren genügsam und fraßen Heidekraut.
Vorteile:
- es mussten keine Heuvorräte, die für Milchvieh angelegt wurden, genutzt werden
- Heidschnucken hielten die Heidelandschaft kurz, zur weiteren Nutzung mussten keine Bäume gerodet werden
- Heidschnucken zertrampelten Spinnennetze, die für Bienen gefährlich sind
Schafe wurden in Hülsen an einem zentralen Ort gehalten in quasi-genossenschaftlicher Art
Die Schafställe wurden entfernt der Bauernhöfe zentral aufgebaut
Gründe:
- Ställe waren Tiefställe: ausgeschachtet, um während der Wintermonate Dung und Streu aufzunehmen und zu lagern. Bei Hochwasser wurden die Tiefställe als erstes überflutet. Der Bereich des Schafstallviertels befindet sich außerhalb der Hochwasserzone
- In alten Bauernhöfen mit ihren offenen Feuern gab es immer wieder Funkenflug. Im Schafstallviertel dagegen gab es kein Feuer und damit war die Gefahr, dass die Ställe in Brand gerieten, weitgehend gebannt.
- Die Ansammlung der Ställe an einem Ort machte eine gemeinschaftliche Haltung und Pflege möglich: ein oder zwei Schäfer reichten aus, die Herden von den Ställen in das Heidegebiet zu treiben. Gemeinsam konnten im Herbst Fuhren von getrockneter Heide eingefahren und in den Dachbereichen der Schafställe als Winterfutter gelagert werden.
- Die Ansammlung der Ställe lag näher bei den Heidegebieten, Schäfer und Schafe hatten so kürzere Wege
Heidschnucken lieferten Dung, Wolle, Felle, Fleisch
Heidebauern waren in ihrer Versorgung auf sich gestellt. Baumaterial, Heizmaterial, Nahrung und Kleidung stellten sie weitgehend selbst her. Nur wenige Materialien mussten aus anderen Regionen herbeigeschafft werden. Heidschnucken bildeten in dieser Art der Versorgung einen wichtigen Baustein.
- Dung blieb bei der Sommerweide auf den Heideflächen. Im Winter trampelten die Tiere den Dung und die Streu in den Ställen nieder. Die Ausschachtungen der Tiefställe füllten sich dabei. Im Frühjahr wurden diese Dung-Streu-Plaggen ausgehoben und auf die Felder gebracht. Damit wurden sowohl bestehende Felder aufgedüngt als auch Teile des Heidegebietes urbar gemacht.
- Die Heidschnucken wurden im Frühjahr geschoren. Die Wolle wurde versponnen und verwebt oder verstrickt für Wäsche und Kleidung
- Bei Schlachtungen fiel nicht nur Fleisch an, sondern auch die Felle, die zur Kleidung, aber auch für Polsterungen und Dämmung eingesetzt wurden.
- Das Fleisch der Heidschnucken ergänzte die karge Nahrung der Heidebauern.
Das Leben der Heidebauern war karg und hart
Harte Arbeit:
- Plaggenhub in den Ställen und in bewaldeten Arealen
- Wenig Ackerpferde, mehr körperliche Arbeit auf den Feldern
- Die meisten benötigten Gegenstände/Materialien wurde selbst hergestellt
- Neben der Wolle der Heidschnucken wurde Flachs angebaut, um Stoffe herstellen zu können. Flachsbearbeitung ist körperlich anstrengend und zeitintensiv.
Versorgung:
- Buchweizenbrei, -grütze und -Pfannkuchen
- Milchprodukte: Dickmilch, Buttermilch, Butter und einfacher Käse von den eigenen Kühen waren tägliche Grundnahrungsmittel. Im Sommer aßen die Bauern oft kalte Buttermilchsuppe mit hineingebrocktem Brot
- Kohl, Kraut und Rüben und Hülsenfrüchte: Aus dem Bauerngarten und von den Feldern kamen robustes Saisongemüse und Steckrüben. Im Herbst kochten die Familien große Töpfe Kohlsuppe vor, die oft für eine ganze Woche reichte.
- Brot: Gebacken wurde meist ein einfaches, grobes Brot aus den verfügbaren Getreidesorten (vor allem Roggen oder Buchweizenmischungen).
- Gesammelte Beeren und Pilze aus der Natur
- Fleisch, z.B. von den Heidschnucken gab es nur an Feiertagen.
Bienenhaltung nutzte Nebeneffekte der Schafhaltung
Ein weiterer Baustein neben der Schafhaltung war in der Heidebauernwirtschaft die Imkerei.
Gewöhnlich verlieren Imker bis zu einem Drittel ihrer Bienen durch Spinnen und Spinnennetze bei Nutzung der Heide als Bienenweide. Da aber die Heidschnucken viele Spinnennetze zertrampelten, konnten diese Verluste bei den Heidebauern verringert werden.
Der Honig wurde meistens nicht selbst genutzt, sondern auf Märkten verkauft, um die Gegenstände/Materialien beschaffen zu können, die nicht selbst hergestellt werden konnten.
Aspekte zur Selbstversorgung heute
(Gedanken von Gudrun)
Was können wir von den Heidebauern lernen?
Die Lebensweise der Heidebauern war geprägt von Genügsamkeit, Nachhaltigkeit, Wertschätzung von Arbeit, Zusammenhalt der Menschen in den Dörfern und das Nutzen der natürlichen Ressourcen und die enge Verknüpfung mit der Natur. Diese Werte, vor allem die Nutzung von natürlichen Ressourcen, der nachhaltige Umgang mit Ressourcen und das soziale Wert schätzende Miteinander sind auch der heutigen Zeit grundlegende Säulen für ein zukunftsfähiges Leben.
Welche Bedingungen finden wir heute vor?
Die Böden in der Heide, sind wie im 19. Jhd. auch, sandig und nährstoffarm. Doch die klimatischen Bedingungen haben sich verändert. Es gibt längere Trockenperioden, höhere Temperaturen und weniger Niederschläge. ( Hier habe ich Niederschlags + Temperaturtabellen, diem letzten Jahre von meinem Sohn) Auf der anderen Seite haben wir heute die Möglichkeit durch Einsatz von Gewächshäusern, intelligenten Bewässerungssystemen, dem Wissen um alternative Anbaumethoden und Veränderung der Lagermöglichkeiten und der Haltbarmachung, die gewonnenen Erträge effizienter zu netzen.
Wie können wir mit und für die Erde leben, dass sie uns weiter ernährt?
Dies ist nur möglich, indem wir unsere Lebensweise so gestalten, dass wir innerhalb der Grenzen wirken, die die Erde vorgibt. Nicht die Erde ausbeutet sondern ihr Beachtung schenkt. Das impliziert den Gedanken, dass wir die Arbeit mit der Erde so gestalten, dass sie sich regenerieren kann.
Dazu gibt es in der ökologischen Landwirtschaft mehrere Anbaumethoden, die so verfahren, genannt seinen hier die in Deutschland bekanntesten: Bioland und Demeter Landwirtschaft.
Doch auch der Anbau mit Permakultur ist eine Methode, die auf kleinster Fläche und mit geringen Wassermengen Erträge für die Selbstversorgung eine große Möglichkeit für viele Menschen bietet.
Was ist Permakultur?
Permakultur ist eine Art, Landwirtschaft, Gärten und menschliche Lebensräume so zu gestalten, dass sie mit den natürlichen Kreisläufen arbeiten statt gegen sie.
Ein konventioneller Garten besteht meist aus Rasen, Blumenrabatten und Sträuchern. in einigen Gärten finden wir Gemüsebeete und Obstbäume, die jeweils unabhängig voneinander gepflegt und genutzt werden.
Das System der Permakultur ist eine Kombination aus Beerensträuchern, Kräutern und bodendeckenden Pflanzen und Obstbäumen. Mulch schützt den Boden, Regenwasser wird aufgefangen und zur Bewässerung genutzt. Pflanzenreste werden kompostiert. Hühner könnten einen Teil der Fläche zeitweise nutzen und dabei düngen und Schädlinge reduzieren.
Die einzelnen Elemente in einem Garten oder eine kleinen Anbaufläche, sollten immer mehrere Funktionen erfüllen.
Diese Ausführungen könnte ich noch ergänzen wenn es gewünscht wird
Essbare Blüten und Bäume
Auch dieses Thema könnten wir in die Ausstellung aufnehmen, Bilder von den essbaren Pflanzen, Rätsel dazu, wo finde ich sie und evt. Kostproben für Führungen bereit halten.
(Gedanken von Rolf)
Als wesentlich erachte ich, daß den Menschen (Besucher*innen) ein Bild der damaligen Situation der Heidebauern und der Landwirtschaft vermittelt wird. Hier ist m. E. das Prinzip von "weniger ist mehr" zu beachten. Die Texte sollten leicht verständlich sein (leichte Sprache) und durch Bilder und Sinneserfahrungen ergänzt werden. Z. B. mal in die Kleidung eines Heidebauern schlüpfen.
Die oben genannten Aspekte sind, glaube ich, schon genug.
Wenn noch Erweiterndes dazu kommen soll, dann wäre für mich die: Kritische Betrachtung der Auswirkungen der Heidebauernwirtschaft auf die Natur und Landschaft, darzustellen. (z. B. Abtragen der Heide, Trockenlegung und Rodung)
Jede*r Besucher*in sollte mit der Frage und Anregungen die Ausstellung verlassen: "Was kann ich, von den Heidebauern lernen, wie kann ich mit der Natur, der Erde und den Elementen umgehen, sie wertschätzen und lieben lernen"?
Den Kindern und jugendlichen Besucher*innen ist besonders Rechnung zu tragen, indem diesen ein leichter Zugang zu den Themen möglich gemacht wird. (auch digital)
Kamingespräch Schafhaltung - 15.1.2026
Horst berichtete über seine Erfahrungen als Schafzüchter. Er züchtete mit Absicht Skudden, um diese alte Rasse zu erhalten. Dabei bemühte er sich um die Weiterführung von Blutlinien aus verschiedenen Gegenden (z. B. Schlesien, Niederlande). Auflagen für Schafzucht und Schlachtung führten zu einem immer kleineren Bestand, inzwischen hält er noch 10 Schafe, die nicht mehr geschlachtet werden sollen, sondern an Altersschwäche sterben werden. Nicht nur Auflagen von Behörden, auch rücksichtslose Hundehalter und Wolfsrisse machten die Schafhaltung problematisch. Es wurde auch immer schwieriger, Schafscheerer und Schlachter für die Tiere zu finden. Diese Rahmenbedingungen machen es zur Zeit für viele kleine Schafzüchter sehr schwer, sodass viele ans Aufhören denken, oder schon aufgehört haben. Das Tragische: diese Entwicklung trägt rasant zu dem Verlust von Genlinien bei. Ganze Strecken / Linien gehen unwiederbringlich verloren und dies kann dann zu Verlust ganzer Rassen, mindestens rassetypischen Merkmalen/Eigenschaften führen..
Im Museumsdorf Kiekeberg werden im Mai Schafe öffentlich geschoren, doch auch bei Horst können wir Mitte/Ende Mai zusehen, wie seine Schafe geschoren werden.
Besuch von Frau Görke am 7.12.2025
Frau Görke (Museumspädagogin im Museumsdorf Hösseringen) besuchte das Schafstallviertel und unsere AG. Joachim, Martina und Doris hatten sie bei einem Besuch in Höseringen und der Teilnahme an einer Führung von Frau Görke kennengelernt und zu uns eingeladen.
Werner führte die Gruppe zunächst zum neuen Schafstall, wo die Geschichte und Details zur Restaurierung erläutert wurden. Wir erfuhren, dass der Startschuss zu Aufbau und Pflege des Schafstallviertels 1974 gelegt wurde, als ein Schafstall, der auf dem Gelände eines ansässigen Metallbetriebes stand, der Erweiterung einer Halle weichen sollte. Mit vereinten Kräften, vielen Helfern und Spendenunterstützung wurde dieser Stall auf dem jetzigen Gelände des Schafstallviertels aufgebaut. Dort standen bereits 5 Ställe, die z.T. nicht oder kaum genutzt wurden und von dichten Sträuchern umgeben waren. Der Wunsch, auch diese Ställe in einen besseren Zustand zu bringen, führte zur Gründung des Kulturförderkreises, dessen Ziel es wurde, das Schafstallviertel zu restaurieren und zu pflegen und das Gelände für Interessierte zugänglich zu machen. Im Laufe der Zeit kamen noch andere Schafställe dazu, die z.T. woanders abgebaut und hier wieder aufgebaut wurden. So sind es nun insgesamt 10 Schafställe, von denen sechs vom Kulturförderkreis betreut werden. Dazu kommt der neue Schafstall, der gerade restauriert wird.
In einem der Schafställe besuchten wir die Ausstellung zum Kalibergbau. Anfang des 20. Jhds. wurde in Hülsen (und anderen Orten in der Region) Kali abgebaut. Herr Schäffer aus Häuslingen sammelte Gegenstände aus dieser Zeit. Diese Sammlung ging nach seinem Tod an die Gemeinde Rethem, die sie über die Gemeinde Dörverden dem Kulturförderkreis als Dauerausstellung überließ.
In der Infostätte Schafstall saßen wir dann bei Kaffee und Keksen und tauschten uns über unser Projekt aus. Frau Görke hatte weitere Literatur mitgebracht (Materialienheft "Arbeiten auf dem Lande" und eine Ausgabe von "Caluna" mit einem Artikel über Schäferkarren - beides ist nun in unserem Handapparat).
In den Diskussionen wurde deutlich, dass wir uns vielleicht doch früher als geplant mit den Grenzen unseres Themas befassen müssen. Wollen wir "nur" die Zeit 17. und 18. Jahrhundert behandeln oder bis in die Gegenwart? Gehören nur die Heidschnuckenhaltung oder auch Themen wie Imkerei oder die Lebensrealität der Menschen in der Heidewirtschaft dazu?
Dieses Einkreisen unseres Zieles wird uns in bei den nächsten Treffen sicher weiterbegleiten.
Frau Görke bot an, auch während der Winterpause für uns eine Führung explizit zur Heidebauernwirtschaft in Hösseringen anzubieten. Auf dem Gelände gibt es einen großen Bereich mit Heide, in dem Heidschnucken leben, einen Schafstall und Infos zum Thema.
KickOff am 27.11.2025
Es war ein toller Abend mit offenen Gesprächen und ersten Ideen.
Doris stellte einen Arbeitsplan vor, der allgemeine Billigung fand.
Zu den Vorschlägen für mögliche Ausflüge wurden noch das Bomann-Museum in Celle, das Domherrenhaus in Verden und die Familie Hemsoth genannt, die Heidschnucken züchtet. (Siehe Vorschläge für Ausflüge unter dem Punkt "Berichte") Es bestand ein Konsens, dass wir die Ausflüge gerne als Gruppe unternehmen möchten. So hätten wir vor Ort schon die Möglichkeit, uns darüber auszutauschen. Evtl. können wir die großen E-Autos aus dem E-Car-Sharing der Realweg nutzen.
Für den Besuch von Frau Görke am 7.12. hat sich Werner bereit erklärt, eine Führung durch das Schafstallviertel zu machen. Hier hätten die von uns, die noch nicht alles über das Schafstallviertel wissen, die Gelegenheit, Informationen zu komplettieren.
Wir haben auch vereinbart, dass Horst an einem Abend bei einem lockeren Kamingespräch über seine Schafhaltung berichtet und wie er dazu gekommen ist. Auch wollen wir Werner befragen, wie die Ausstellung in der Kalistube konzipiert wurde.
Das werden zwei spannende Treffen mit unseren eigenen Experten, für die es noch keine festen Termine gibt.
Diese Webseite soll für uns als Austauschplattform dienen. Alle Anwesenden bekamen ein Blatt mit den Zugangsdaten, sodass alle hier schreiben können (aber nicht müssen. Ihr könnt Eure Inhalte auch an Doris senden, die sie dann hier veröffentlicht). Die, die am 27.11. nicht dabei sein konnten, bekommen diese von mir, wenn wir uns treffen.
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